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. er zum Emir,„eile, Deine Tochter zu holen, wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Raſch ging der Emir in das anſtoßende Zelt und kehrte nach wenig Augenblicken mit dem Mädchen zurück, das überraſcht, zu ſo ſpäter Stunde aus dem ſüßen Schlaf geweckt zu werden, kaum ihren Augen traute, als ſie jenen jungen Araber erblickte, deſſen Geſtalt ſo ſchön war und deſſen Auge ſo feurig blitzte. Noch größer war aber ihre Ueberraſchung, als ihr der Vater verkündigte, daß ſie augenblick⸗ b lich entfliehen müßten. Doch brauchte er keine lange Ueberredung bei ihr anzuwenden, und als der junge Mann ehrerbietig ihren Schleier faßte, und einen feurigen Kuß darauf drückte, wobei ſich ihre Augen begegneten, faßte ſie den Arm ihres Vaters und alle drei verließen eilig und ſchweigend das Zelt.
Langſam ſchritten ſie durch die Wachen, bis zu dem Platz, wo die Beduinen gelagert waren, die heut Abend angekommen, und hier nahm der Araber eine kleine ſilberne Pfeife aus ſeinem Gürtel, mit der er einen einzelnen ſeltſam klingenden Ton angab, worauf die Beduinen, die in tiefem Schlaf zu liegen ſchienen, plötzlich in die größte Be⸗ wegung geriethen. Leiſe erhoben ſich Alle und man vernahm kaum das Klirren ibrer Waffen, als jeder zu ſeinem Pferde trat. Im gleichen Augenblicke erſchienen einige von ihnen, die mehrere Pferde an der Hand führten, worauf ſich der Emir, Zemire und der junge Araber
ſchwangen. Zugleich erhoben ſich alle Beduinen in ihre Sättel und es b ſah aus, als hebe ſich eine gewaltige weiße Wolke von der Erde empor. Nun ſetzte ſich der Zug in Bewegung, erſt langſam und leiſe, dann mit größerer Schnelligkeit und als ſie das Lager der Pilgerka⸗ ravane eine Strecke hinter ſich hatten, griffen die Pferde luſtig aus
und flogen dahin, wie vom Sturmwind gejagt.
Der junge Araber ritt beſtändig neben Zemire und ſagte ihr hie und da bei dem ſcharfen Ritt ein freundliches Wort oder er führte zuweilen ihr Pferd und leiſtete ihr alle kleinen, nur möglichen Dienſte, die das junge Mädchen gerne anzunehmen ſchien. So ritten ſie die I ganze Nacht fort und als der erſte Strahl des Tages im Oſten auf⸗
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zudämmern begann, ſahen ſte vor ſich in der Ferne eine Menge Zelte erſcheinen und Waffen blitzten auf der ganzen Ebene empor. Bald hatten ſte jenes Lager erreicht und ritten durch die Zeltgaſſen durch und der Emir ſah, daß ſie ſich bei einem mächtigen Araberſtamme be⸗ fanden. Die Beduinen, die neben ihren Pferden auf der Erde lagen,


