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Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlechte / von Friedrich Ehrenberg
Entstehung
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konnte, ſollte das nicht auch der Charakter errei⸗ chen können?

Alles kommt darauf an, daß Sie Zutrau⸗ en zu ſich ſelbſt faſſen, und ſich des gro⸗ ßen Vermogeus, das in Ihnen liegt bewußt werden. Wer verloren gibt, wird nie ſiegen. Die Unluſt überredet ſich, ſie kön⸗ ne nicht, und ſie bringt nichts zu Stande, weil ſie nichts unternimmt. Man ſucht das Vortreff⸗ liche immer uͤber ſich in der Höhe, und vernach⸗ läſſigt, zu bemerken, was im eignen Herzen da⸗ hin zieht. Der Glaube lehrt wagen, und Wa⸗ gen iſt ſchon Gewinnen, wo es bloß auf Kraft des Willens ankommt. Das Gefühl Ihrer Schwä⸗ che möge Ihnen Beſcheidenheit einflößen, und durch Demuth ſchmücken den Wehrt. Aber es müſſe Ihnen nie die Zuverſicht rauben; es müſſe Sie nie daran zweifeln laſen, daß es in ihrer Gewalt ſteht, ſich über den Schmerz zu erheben, die ſchwere Pflicht zu üben, und der Berſuchung zu widerſtehen. Doch das kann die wahre Be⸗ ſcheidenheit, die echte Demuth nicht; iſt ſich dieſe doch in ihrem Daſeyn ſchon der Beweis von der Möglichkeit wahrer Seelenſtärke. Verſuchen Sie

es nur, ſich ſelbſt ſolche Beweiſe recht oft zu ge⸗ 7 2 5 8

den; das freudige Gefühl davon wird Ihnen die⸗