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Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlechte / von Friedrich Ehrenberg
Entstehung
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dem

die

keit derſelben wird ihnen ſelten fühlbar; und noch ſeltener erregt ſie ihr Nachdenken. Die morali⸗ ſchen Regungen, die gewiß oft genug in ihrem Innern aufgehon, gehen in ihrer irrdiſchen Stim⸗ mung bald wieder unter. So können ſie nicht zu kräftigen Vorſätzen erwachſen.

Mit Ernſt will die ſittliche Bildung des Her⸗ zens begonnen ſeyn; der echte ausdauernde Ernſt aber iſt eine Frucht der Seelenſtärke. Die ſittli⸗ che Bildung des Herzens ſetzt richtige Selbſter⸗ kenntniß voraus. Gehört aber nicht Stärke der Seele dazu, daß man ſich entſchließe, ſein Inne⸗ res unpartheiiſch zu erforſchen, daß man ohne Schonung ſeine Fehler anerkenne? Mit Stren⸗ ge muß man ſich die Grundſätze vorhalten, nach denen das Leben geführt werden ſoll. Wird das die Seele auch vermögen, der es an Starke fehlt? Um ſich, endlich, zur Befolgung derſel⸗ ben zu gewöhnen: wie viel Unangenehmes und Läſtiges muß man über ſich nehmen, wie vieles Geliebte ſich unerbittlich verſagen, wie oft ſich ſelbſt verläugnen! wie muß man ſich gegen die Verſuchung bewachen! mit welcher Beſonnenheit muß man überall denken und handeln! wie vie len Regungen des Affectes muß man ſich wider⸗ ſetzen! wie viele Verirrungen find zu bereuen und