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Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlechte / von Friedrich Ehrenberg
Entstehung
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bemerken, thut jedem wehe. Wie kann man hof⸗ fen, bei andern etwas zu gelten, wenn man ſich bei ſich ſelbſt in der guten Meinung nicht zu be⸗ haupten vermag? Eigenliebe iſt der Fehler, von welchem der Menſch am ſpäteſten frei wird. Da⸗ her die vielen Vorſpiegelungen von hoher Voll⸗ kommenheit; daher die künſtlichen Verdeckungen, Entſchuldigungen und Beſchönigungen unſrer Ge⸗ brechen. Darüber orhebt die Stärke der Seele. Sie faßt den Muth, ſich ſelbſt zu ſehen wie man iſt. Nur ſtarke Seelen kennen ſich recht, und würdigen ſich ohne Parteilichkeit.

Nirgends aber erſcheint die Staͤrke der See⸗ le ehrwürdiger als in der Demuth und in der echten Reue. Nur ein freies und erhabe⸗ nes Gemüth iſt fähig, ſich in ſeinen Verſchuldun⸗ gen klein zu fuͤhlen. Sich ſelbſt herabſetzen, ſich über ſich ſelbſt ſchämen, ſich gar ſelbſt anklagen, ſich mit hohem Unwillen ſelbſt ſtrafen, nicht über verſcherztes Glück, nicht uher ben Schabhen, den man durch Thorheit ſich zuzag e ſondern über Verirrungen und Fehltritte, übar Geſinnungen und Beſtrebungen, über verletzte ſtteliche Würde: das iſt die herrlichſte That der Menſchheit; das iſt nur ſolchen Seelen möglich, die vom Adel der