und ſein Leben im Stillen vertrauern, damit an⸗ dre es gut heben.
Den eignen Nutzen fahren laſſen, Schmerz und Schaden freiwillig übernehmen, iſt allerdings edel und groß. Aber noch edler und größer iſt es, Demüthigungen zu tragen, Herabſetzung nicht zu achten, Verachtung zu dulden, über Beleidi⸗ gungen nicht entrüſtet zu werden, Bitterkeiten zu vergeſſen, abſichtliche Kraͤnkungen großmüthig zu vergeben, gegen feindlich geſinnte Menſchen ein ſanftes und verſöhnliches Herz zu behalten, wohl⸗ zuthun, wo man gerechte Urſache hatte, ſich zu beſchweren. Das Erſte kann zuweilen mit Rück⸗ ſicht auf einen, daher zu erwartenden, größern Vortheil geſchehen. Aber eine gereitzte Leiden⸗ ſchaft, einen auflodernden Affect bezwingen, dazu gehoͤrt freie vernünftige Selbſtmacht der Seele. Das Gegentheil von dem thum, wozu man ſich faſt unwiderſtehlich getrieben fühlt, das iſt echte Größe.
Nicht weniger ſchwer iſt es, ſich ſeine eig⸗ nen Maͤngel, vorzüglich in denjenigen Dingen, durch welche man gerne glänzt, einzugeſtehen, und Fehler, deren man ſich ſchämt, anzuerkennen. Sich ſelbſt möchte jeder in Ehren halten; an ſich felbſt Schlechtes, Tadelhaftes, Erniedrigendes zu


