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ruft der Knabe, er geht hinein, und ein ſchoͤ⸗ nes Weib kommt ihnen entgegen. Sie ſteht vor Julius, ihre Wangen roͤthen ſich in hoͤherm Purpur, unwillkuͤhrlich entfaͤllt eine Thraͤne ih⸗ rem ſchoͤnen Auge— aber auch er fuͤhlt die Macht der Ueberraſchung— denn vor ihm ſteht Mienchen, eeinſt das ſchoͤne Baͤckermaͤdchen, jetzt Frau von Holm. Sie hatte, ſo erfuhr er nun, da des Maͤdchens erſte ſtille Wuͤnſche, durch ſeine Abreiſe, vereitelt wurden, einen woblha⸗ benden Oeconom die Hand gegeben, gute Wirth⸗ ſchaft, gluͤckliche Pachtung, eine einträͤgliche Hauptlieferung, hatten ihren Mann, vom Pach⸗ ter zum Herrn des Ritterguts, und um dem Verkaufsrechte vorzubeugen, zum Edelmann er⸗ hoben. Die Toͤchter der wohlhabenden Buͤrger Dres⸗ dens lernen fruͤhe die Pflichten der Haͤuslichkeit, des Fleißes und der Thätigkeit kennen, aber ſie genießen auch oft eine Erziehung, daß ſie, in jedem andern hoͤhern Stande, mit Ehre als Frau von Welt und Bildung glänzend auftreten koͤn⸗ nen. Eine ſolche war Mienchen. Sie machte ihrem jetzigen Stande wirklich Ehre, liebte ihren Gatten mit unverbruͤchlicher Treue, und war gluͤcklich, unausſprechlich gluͤcklich im Beſitze der liebenswuͤrdigſten Kinder,— dem Knaben hatte
ſie den Namen Julius gegeben. 47*


