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An einem ſchoͤnen Maitage des Jahres 1822 ſaß Herr Julius von Ehrenheim,(dieſen Na⸗ men verdankte er der Gnade ſeines Monarchen), im Prunkfaale ſeines Schloſſes, an ſeiner Seite wiegte Fanisca, die geliebte Gattin, einen klei⸗ nen blondgelockten Engel, und um die Tafel⸗ runde ſaßen verehrte Freunde, es war Fuͤrſt Alexi⸗ us und ſeine Huldin, und die ſchoͤne Wittwe Olimpie. Sie hatte waͤhrend dieſer Zeit ihre Guͤter in Polen und Rußland zu einem Eden um— gewandelt, und die leibeigenen traͤgen Bauern zu freien, gewerbfleißigen, thaͤtigen und gluͤcklichen Unterthanen geſchaffen,— jetzt war ſie hier, um von hieraus mit Ehrenheims Dresden, und ſodann die boͤhmiſchen Curorte zu beſuchen, unter denen Mariaͤbad,(wie von einem guͤti⸗ gen Zauberer hervorgerufen), durch die wohlthaͤ⸗ tigſten ſegensreichen Wirkungen, ſo ſchnell ſich zu wahrer Celebritaͤt emporgeſchwungen hat⸗ ten. Nach Boͤhmen hin ſchlug das Herz Olim⸗ piens, und auch Fanisca wußte es, daß ihr dort nur ſelige Freude bluͤhen wuͤrde.
Des andern Tages Morgen ſahe ſie alle auf
der Reiſe, und ehe die Woche ſchloß, begruͤßten
ſie die ſchoͤne wohlthaͤtige Stadt an der Sprea Felſen⸗Ufer, deren Wappenſchild die goldne Mau⸗
rer⸗Zinne iſt, und Tags darauf das herrliche
Dresden. Wie viel hatte es waͤhrend dieſer Zeit 17


