Druckschrift 
Narramatta und Conanchet : eine Erzählung für die reifere Jugend / nach dem Engl. des J. F. Cooper von Franz Hoffmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

161

jenſeitigen Ende des Dorfes mit den Feinden im Gefechte begriffen waren.

Schon früher iſt erwähnt worden, daß die Häuſer in den An⸗ ſiedelungen in der Regel ziemlich dicht bei einander lagen. Ein Grund dafür war auch der Puritaniſche Glaube, daß ein Wohn⸗ haus nicht weiter als eine halbe, höchſtens eine ganze engliſche Meile, deren fünf auf eine deutſche gehen, von dem Bethauſe der Gemeinde entfernt ſein dürfe. Daher kam es, daß im Fort Einige der Meinung waren, daß ſie die Zerſtörung ihrer Wohnungen nur in Folge des Abweichens von dieſer Regel zu beklagen hätten; und beſonders Ruben Ring betrachtete den Verluſt ſeines Hauſes als eine gerechte Strafe für den Leichtſinn, der ihn vermogt hatte, ſich auf der äußerſten Grenze der vorgeſchriebenen Entfernung an⸗ zubauen.

Als Dudley's Haufe ſich zurückzog, ſtand Ruben am Fenſter des Zimmers, in welchem ſein Weib mit ihren kleinen Kindern noch zur rechten Zeit einen ſichern Zufluchtsort gefunden hatte. Eine Wärterin war nicht zugegen, und der Vater mußte in dem allgemeinen Aufſtande nicht nur die Stelle derſelben vertreten, ſon⸗ dern auch zugleich den Dienſt einer Schildwache verrichten. So eben hatte er ſein Gewehr auf die vordrängenden Indianer, und zwar nicht ohne günſtigen Erfolg, abgefeuert, und ſtand im Be⸗ griff, die Muskete mit einer neuen, Verderben bringenden Ladung zu verſehen, als ſein trübſinniges Auge ſich auf den Haufen rau⸗ chender Trümmer heftete, welcher jetzt die Stelle ſeines geſtern noch ſo behaglichen Häuschens einnahm.

„Ich fürchte ſehr, liebes Weib,“ ſagte er mit einem tiefen Seufzer und traurigen Kopfſchütteln,—„ich fürchte ſehr, daß bei der Vermeſſung des Raumes zwiſchen der Kirche und unſerer Rich⸗ tung ein Verſehen vorgefallen iſt. Bei alledem ſchien mir der Hügel, auf dem unſer Haus gebauet werden ſollte, ſo geſund und bequem, daß ich der Verſuchung nicht widerſtehen konnte, dort meine Hütte aufzurichten. Ach, jetzt iſt kein Balken mehr davon übrig, der nicht zu Kohlen und Aſche verbrannt worden wäre.“«

„Hilf mir in die Höhe, Mann,“ erwiederte die ſchwache Mut⸗ ter,—„hilf mir auf, damit ich noch einmal die Stätte ſehe, wo wir ſo viele vergnügte Stunden mit einander verlebt haben.“

Ruben Ring zögerte nicht, den Wunſch ſeiner Frau zu erfuͤl⸗ len, und eine Minute lang ſtarrte das arme Weib ſtumm und mit traurigen Blicken auf die öde, rauchende Brandſtsee Als aber

Narramatta und Conanchet 1

4