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Kopfe daher. Nach Schornſteinfegerart beſtand ſeine Kleidung aus roher eng anſchließender Leinwand: der ganze Koͤrper, nebſt Geſicht und Haͤnden, war ſchwarz und mit Ruß uͤberzogen. S Es war aber der Alte ein Mann vom beſten Humor, denn fortwaͤhrend ſandte er ſeinen Nachbarn im Vorbeigehen einen o fluͤchtigen Scherz nebſt ſchelmiſchen Blicken zu.
A 5 Fuͤnf bis ſechs Fuß hinter ihm kam ſein Sohn, ein ſchmucker Juͤngling, der eben in's Mannesalter trat. Auf dem raben⸗ ſchwarzen Geſichte loͤſte ſich wunderſam das Weiße ſeiner Augen
und Zaͤhne, ſo wie das friſche Roth ſeiner Lippen. Ueber der Schulter trug er einen Sack mit Ruß; mit der Rechten hielt er einen aus Ruthen zuſammengebundenen Beſen und daneben einen bluͤhenden Zweig weißen Hagedorns, die Maiblume der Antwerpener. 1
Als er ſo trillernd und huͤpfend herbei lief, weckte ſein drolliges Gebahren das Gelaͤchter aller Nachbarn. „Poſſen⸗Breughel*)!“ murmelte dieſer.
N„Der heißt mit vollem Rechte Pauwken-Frohmuth,“ be⸗
merkte ein Anderer;„denn er iſt ja aus lauter Freude zuſam⸗
mengeſetzt!“
„Wie die Alten ſingen, ſo piepen die Jungen. Er und ſein Vater, die ſteigen gewiß einmal mit lachendem Geſicht in die 4 1 Grube.“
„So ſind alle Antwerpenſche Kaminfeger, das haͤngt enge mit dem Handwerk zuſammen. Ein ſchwermuͤthiger Kamin⸗
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*) Breughel iſt der Name eines beruͤhmten vlaͤmiſchen Malers aus dem 16. Jahrhundert, der ſich beſonders auf derbe, froͤhliche Stoffe
verlegte und darum gemeiniglich mit dem Beinamen des Spaß⸗Breughel
(vieze Breughel) bezeichnet wird.


