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eine bejahrte Frau und ein Juͤngling— knieeten mit der ſtarren Bewegungsloſigkeit einer Steingruppe um eine lange auf zwei Stuͤh⸗ len ruhende hoͤlzerne Kiſte— es war ein Sarg. Zu den Fuͤßen deſſelben ſah ich den Kopf eines jungen Maͤdchens vorgebogen, deſſen langes Haar uͤber die Planken des Sarges herabwallte und von deren Wangen ein reichlicher Thraͤnenſtrom herabfloß.
Der Vikar faßte mir die Hand, und mich vom Fenſter wegfuͤhrend ſagte er:
„Entferne dich jetzt von dieſem Orte des Unheils. Wandle einſtweilen auf dieſem Fußwege, ich muß hier einige Ge⸗ bete leſen und in einer Viertelſtunde bin ich wieder bei dir. Bewahre immerhin den Eindruck deſſen, was du eben geſehen: denn ich habe eine duͤſtere Geſchichte dir vorzutragen.“
Schon druͤckte er die Hand an die Thuͤrklinke, als ich ihn tiefergriffen noch fragen konnte:
„Wer iſt es denn— der dort im Sarge liegt?“
—„Ein Trunkenbold,“ in's Haus trat.
Als mein Freund ſeine Amtspflicht erfuͤllt hatte und mich wieder aufſuchte, fand er mich mit verſchraͤnkten Armen und geſenktem Blicke auf dem Feldwege ſtehen.
Er fing ſodann mir Langes und Breites von Jan Staers, von Paͤchter Torfs und ſeiner Frau Bethe, von Lukas und Clara zu erzaͤhlen. Seine Erzaͤhlung dauerte ziemlich lang, denn wir ſaßen ſchon in der großen Stube des Pfarrhauſes, ehe ich wirklich wußte, wer die einzelnen Perſonen waren, die ich um die Todten⸗ bahre verſammelt geſehen hatte.
Mein Freund forderte mich endlich auf, eine Dorfgeſchichte auf Grund ſeiner Erzaͤhlung aufzuſetzen.
fluͤſterte er mir kurz zu, indem er


