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ſeligkeit traͤumte und ihre Zukunft beglaͤnzt ſah vom roſigen Lichte der ſuͤßeſten Hoffnung. Sie liebte und nach Oſtern ſollte ſte mit dem Geliebten ihres Herzens zum Altare gefuͤhrt werden. In ihrer Einfalt ſprach ſie ungeſchminkt von dem Gluͤcke, das ihrer warte nach einer Vergangenheit voll Leiden und Entbehrung. Als ſie unſerem alten Paſtor einſt begegnete, erzaͤhlte ſte ihm Alles, was in ihrem keuſchen Gemuͤthe vorging und wie ſie kaum ſchlafen koͤnne vor innerer Seligkeit. Sie wuͤrde reich
werden, dachte ſie, Mutter ſein, Gott danken, Alles in ihrer Naͤhe gluͤcklich machen und den Schatz ihrer liebreichen Seele auf ihre ganze Umgebung ausgießen als einen Lichtkranz von 1 Muth und ſtiller Lebensfreude... Und jetzt?“ 1
Mein Freund ſchwieg; ich horchte noch immer, denn der Ton ſeiner Stimme ließ mich etwas Ernſtes und Erſchuͤtterndes vermuthen.
—„ und jetzt?“ wiederholte ich daher voller Neugierde. Wir waren am Haͤuschen angelangt; noch einige Schritte und V wir ſtanden an der Schwelle der Hinterthuͤre.
„Und jetzt?“ fuhr der Vikar fort, indem er mich nach V einem Seitenfenſter hinfuͤhrte.„Bleib ſtehen und ſchaue, ſo ver⸗ haͤlt es ſich jetzt!“ Ich blickte durch die Scheiben in die Stube. Ein Schauder ergriff mich und ich konnte den Angſtruf nicht bemeiſtern, der wie ein erſtickter Seufzer meinen Lippen entfuhr. b 6 Der Mond beſchien das Zimmer und verlieh den Gegen⸗ ſtaͤnden darin einen duͤſteren violsttfarbenen Anſtrich. Auf einem Tiſch ſtand, zwiſchen zwei kleinen Kerzen von gelbem Wachs, deren fahles Licht wie zwei Stalllaternen flackerte, das Bild des gekreuzigten Heilandes. Drei oder vier Perſonen— ein Greis,


