13
fuͤllte, nicht und er betrachtete dieſen mit tief empfundenem Mitleiden.
Auf einmal rief der junge Bauer, den Kopf aufrichtend und mit kraͤftigem Tone:
—„Aber Clara, die unſchuldige Clara, was wird aus ihr werden?“
—„Ich habe wohl auch an ſie gedacht, mein Sohn; aber ich ſehe nichts als Elend und Drangſal fuͤr das arme Maͤdchen...“
„Elend und Drangſal!“ erwiederte ſchmerzlich Lukas. „Vater, duͤrfte ich euch doch herausſagen, was mir auf dem Herzen liegt! Aber ich wage es nicht; ihr moͤchtet boͤſe dar⸗ uͤber werden, fuͤrchte ich.“
—„Ich kann mir wohl denken, was dich druͤckt und es thut mir leid genug um dich mein armer Lukas, aber Gott hat es einmal ſo geſchickt und du mußt dich geduldig in ſei⸗ nen Rathſchluß fuͤgen.“
—„Wie, ihr wiſſet, was ich meine?“ ſtammelte der Juͤngling mit Erroͤthen,„Niemand auf Erden weiß es ja; Nie⸗ mand... als die Mutter allein und die hat mich nicht darum geſcholten, im Gegentheil...“
Einige Falten zogen uͤber die Stirne des Greiſes.
—„Nein, Vater, laßt es euch nicht verdrießen,“ bat Lukas.„Es hat ſich dies Gefuͤhl nach und nach in meine Seele geſchlichen, ohne mein Wiſſen und Wollen. Zuerſt war es nur Mitleiden; ich konnte doch das ungluͤckliche Schaf, ſo ſchoͤn und ſo zart, nicht allein den Garten des Hofes beſor⸗ gen, den Acker umgraben und duͤngen und vom Morgen bis zum Abend eine Arbeit verrichten ſehen, vor der ſelbſt ein


