Arzt wie vom Himmel herab. Ich kann nicht ſoglei heimreiſen; da aber Mörkedal ziemlich nahe beim Wirths⸗ hof von Duringe liegt, ſo nehme ich die Gaſtfreundſchaſt des Generals in Anſpruch. In einigen Tagen hoffe ich bei Euch, meinen Geliebten zu Hauſe zu ſeyn; ſteht es jedoch ein wenig länger an, ſo habt keine Unruhe, denn es wäre ganz überfluͤſſig. Euer Richard.
P. S. Der Chor iſt nicht zu retten: er iſt unah⸗ wendbar der Sakriſtei anheimgefallen. Ich war indeſſen dort, um uns pflichtſchuldigſt bei den verehrten Schatten unſerer Ahnen zu entſchuldigen. Sie nahmen mich gnä⸗ dig an, und ſagten, ſie haben nichts gegen eine kleine Auslüftung.“
„In Duringe!“ wiederholte der Major.„Ei zum Henker! wenn er geſtern ſchon ſo weit auf dem Heimwege war, ſo nimmt es mich meiner Seele nur Wunder, daß er ſich nicht gar vollends ganz zu Tode fuhr, anſtatt nur den Arm zu verziehen.“
„Gott laſſe es nur nicht ſchlimmer ſeyn, als er ſchreibt!“ ſagte die Majorin mit mütterlicher Aengſtlichkeit, und nahm den Brief aus der Hand ihres Mannes.
„Ich hätte Richard nie zugetraut, daß er ſich mit einer ſolchen Negligence, mit einem ſolchen Leichtſinn äußerte!“ ließ ſich der Oberſt aus, der nur an die frivole Nachſchrift dachte.
„Du wirſt ſehen,“ fluͤſterte Virginie Iſabellen zu, „daß das mehr zu bedeuten hat. Ein Arzt wie vom Himmel geſandt! So was ſagt man nicht wegen einer bloßen Armverziehung.“
Iſabelle erwiederte nichts. Sie wußte nur zu wohl, warum Richard die Reiſe ſo eilig zurückgelegt hatte, aber da es nicht in ihrem Gemüthe lag, leicht erſchreckt zu werden, und ſie überdieß für den ſchlimmſten Fall Richard
nach ſich ſelbſt beurtheilte, das heißt, ihm hinlänglicht.
Muth zutraute, um jedes Unglück ertragen zu können, das ihm zugeſtoßen ſeyn mochte, ſo nahm ſie die Sache ruhig hin. Dieß war etwas, was der Graf— der un⸗
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