Teil eines Werkes 
5.-letzter Theil (1844)
Entstehung
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Erſtes Kapitel.

Als der Lieutenant am andern Morgen in das Frühſtückzimmer trat, wohin ſich Iſabelle zeitiger, als gewöhnlich begeben hatte, ſchien er ſelbſt ein nicht un⸗ würdiger Repräſentant des Nebenbuhlers zu ſeyn, den er am Abend vorher kennen gelernt hatte. Richard hatte aber auch in der ganzen langen Nacht kein Auge zugethan.

Der wunderliche Einfall konnte als ein ſchlechter Witz angeſehen werden; und wie gerne hätte er ihn nicht als ſolchen angeſehen, wenn ſich nicht eine Menge nur zu deutlicher Umſtände ſeinem Sinne aufgedrungen hätten! Warum ging ſie beſtändig in den geheimniß⸗ vollen rothen Shawl gehüllt? warum erbleichte ihre Wange bisweilen wie an jenem Ballabend bis zur Farbe des Todes? warum bebten oft ihre Lippen, wenn die weißen Zähne darauf drückten, als wollten ſie einen Schmerzenslaut bekämpfen? warum lag ſie ſo gerne und lange im Bette? Es wollte gar kein Ende nehmen mit Richardswarum? Aber wenn ſie nun alſo krank war, was war es denn für eine ſonderbare Art Krank⸗ heit, die ihr in der Geſellſchaft zu leben und ſie zu ge⸗ nießen erlaubte? Es war nicht die Lungenſchwindſucht, das war klar, denn Iſabelle huſtete nie, auch ſah man keine gefährlichen rothen Flecke auf ihren Wangen. Im Gegentheile, ihre Geſundheit ſchien ſtets gleich gut, ihr Teint behielt ſeine blaſſen Blumen, ihre Stirnen