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Aber ſie konnte es nicht, denn dieſer Brief— an Arnold adreſſirt— den ſie in der Hand hielt, trug denſelben Poſtſtempel, den ſie ſelbſt ſo lange zu ſehen erwartet. Die Handſchrift aber kannte ſie nicht.
Sie machte daher mit Fleiß ein leichtes Geraͤuſch.
Arnold raffte ſich ſchnell auf. Seine Wange er⸗ roͤthete, aber als er Honorinen erblickte, laͤchelte er und ſagte mit einem vor ſeliger Freude ſtrahlenden Blick:
„Sie iſt mein!“
„Komm', geliebte Honorine,“ ſagte Adele mit an⸗ muthiger Heiterkeit,„komm und gieb mir Deinen ru⸗ higen, ſchweſterlichen Kuß— meine Lippen beduͤrfen jedenfalls der Abkuͤhlung... O, wenn Du, arme Freundin, begreifen koͤnnteſt, wie himmliſch⸗wunderbar dieſe Theilung des Gefuͤhls und des Herzens iſt... geh, Arnold, geh.. laß mich jetzt mit Honorinen al⸗ lein!“
Aber mit einer unerklaͤrlichen Heftigkeit rief Ho⸗ norine, anſtatt, wie man haͤtte denken ſollen, froͤhlich Gluͤck zu wuͤnſchen:—
„Nein, bleiben Sie— dieſer Brief... oͤffnen Sie ihn hier, beſter Doctor Warvner! Ich weiß nicht, aber ich glaube, er betrifft eine Perſon, die uns Alle nahe angeht.“
Arnold nahm ſogleich den Brief und waͤhrend er denſelben las, ward ſein ſo eben noch feuergluͤhendes
Ein Gerücht. VI. 12


