190 geſagt, die Augen und Lorgnetten dieſer Herren ſollten Alles entſcheiden.
„Nun wohl, als der Brautzug nahete— die Trauung ſollte vor dem Gottesdienſte geſchehen— er⸗ hob ſich ein ſolches Schluchzen, Segnen und Lobpreiſen auf allen Armenbaͤnken, daß man faſt ſein eignes Wort nicht hoͤrte..
„Die heilige Lilia hatte ganz zeitig am Morgen ihr letztes Heiligenlever abgehalten— ich argwohne ſtark, daß die Kammerraͤthin damit nicht fortfahren wird— und bei dieſem Lever, ja ſchon mehrere Tage vorher, waren Geſchenke aller Art von dieſer Tugendhel⸗ din mit eigenen Haͤnden ausgetheilt worden und zum Dank bekam ſie einen Lobgeſang, der ſelbſt die Orgel uͤbertaͤubte.
„Die Kirche war mit einem großen Ueberfluß von Blumen geſchmuͤckt und Blumen regnete es aus allen Baͤnken, an welchen die Heilige vorbeiging, waͤhrend ſie mit ihren kleinen Fuͤßen faſt nur ſo uͤber den Boden hinſchwebte.
„Ich wollte, Sie haͤtten ſie geſehen, als ſie an der Hand des alten graukoͤpfigen Buͤrgermeiſters der Stadt, mit geſenkten Augenwimpern und jungfraͤulich erroͤthen⸗ den Wangen, dem Altare nahete!
„Ihr weißes Atlaskleid, mit den koſtbarſten Spitzen beſetzt, ſchleppte uͤber den Stoff, womit der Kreuzgang belegt war. Und ihre ſchoͤnen Locken, welche alle Son⸗


