6. Der werdende Märtyrer.
Es war ungefaͤhr vier Uhr Nachmittags.
Die junge Frau, die ſtets ein aͤußerſt frugales Mit⸗ tagsmahl einnahm, zu welchem Niemand eingeladen ward, lag noch in ihrem Morgengewande auf dem Sopha.
Sie hatte ein gewiſſes Portrait und eine gewiſſe blonde Haarlocke betrachtet, welche beide Gegenſtaͤnde ſie ſehr aufgeregt haben mußten, denn ihre Augen ſchwam⸗ men noch in Thraͤnen, als Beate eintrat und den Kam⸗ merrath anmeldete.
Er hatte etwas ganz Beſonderes mit ihr zu ſprechen.
„Sage dem Herrn Kammerrath, daß ich heute Nach⸗ mittag Niemanden empfangen haben wuͤrde, denn ich bin wieder einmal von meiner Migraine entſetzlich geplaget worden; wenn aber der Kammerrath entſchuldigt, daß er mich ſo trifft, ſo werde ich mich freuen, ihn zu ſehen.“


