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menſchlichen Fehler und Leidenſchaften blind war, um nur nicht aus ihrem eigenen Himmelsſchlafe erweckt 1 werden?
Weshalb klagte ſie ſich ſelbſt an, daß ſie ihrerſeitz die Fromme geſpielt, da in ihrem Weſen eine leiden⸗ ſchaftliche, unruhige, herrſchſuͤchtige Seele wohnte, die Alles beſitzen wollte, ohne etwas Anderes, als Broſamen zu ſchenken? Weshalb laͤſterte ſie endlich ihr eigene
Herz, welches, außer Stand, ein einziges tiefes, großes 5 9 g
und wahres Gefuͤhl zu empfinden, in ſeinem phantaſte⸗ ſchen Uebermuth tauſendmal die demuͤthige Anbetum zuruͤckſtieß, die ihm geboten ward?
Sie konnte dieſe„weshalb“ nicht beantworten.
Aber die maaßloſe und herzzerreißende Qual, welche ſie nach dem Leſen von Philipps Brief beſtuͤrmte, haͤtt ſie uͤber jenen Strudel in ihrem Gemuͤth aufklaͤren ſol⸗ len, uͤber dieſe aufruͤhreriſche Gaͤhrung in ihrem Blun — eine Gaͤhrung, die in jedem der Worte ſiedete, welche ſie gegen ſich ſelbſt ſchleuderte— ſie haͤtte hieraus er⸗ kennen ſollen, daß dieſer Strudel eine Quelle hatte, die tief unter die aͤußere, von wilden Wogen grollende Fluth hinunterging, aus welcher ihre leidenſchaftlichen Ge⸗ muͤthsbewegungen herzufließen ſchienen.
„Verkenne mich denn,“ murmelte ſie,„haſſe, ver⸗
achte mich, raube mir jeden menſchlichen Werth, jedes
menſchliche Gefuͤhl, zermalme mich mit Deiner Verach⸗
tung lieben!
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2
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Sylvie mit de von de Helden


