Teil eines Werkes 
1.-3. Bd. (1850)
Entstehung
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ſo viel war ſicher, daß er ſich nirgends ſo wohl befinden konnte, als in Ribyhus.

Das war auch ganz natuͤrlich.

Bis jetzt hatte er niemals in ſeinem Leben ein Band der Freundſchaft oder der Liebe beſeſſen wie haͤtte er da Philipp widerſtehen koͤnnen, der die Erinnerung an die entſchwundene Jugend mit den neuen, warmen und ohne Zweifel wahrhaften Gefuͤhlen des Mannes⸗ alters in ſich vereinigte!

Aber wenn unſer Doctor in der Wirklichkeit kein derartiges Band beſeſſen hatte, ſo war es wenigſtens hinfort ſeine eigene Schuld, wenn er ſich nicht eins ſchaffte.

Schon hatte man ihn in Gedanken mit fuͤnf jun⸗ gen Maͤdchen und eben ſo viel Witwen verheirathet, welche nach einander ſeines aͤrztlichen Beiſtandes bedurf⸗ ten; aber der unerſchuͤtterliche Arzt ſaß an dem Sopha der Schoͤnen mit derſelben Miene, wie an dem eines alten Weibes.

Niemals rauh, ſondern ſtets geneigt und freundlich, aber ohne das geringſte Anzeichen von verſtellter Ge⸗ ſchaͤftigkeit oder dem mindeſten Schimmer von zwei Ar⸗ ten von Theilnahme.

Die ſeine richtete ſich ſtets nach dem Standpunkte der Krankheit, nicht nach dem des Kranken.

Man hoͤrte nun einmal auf, ſich mit ſeiner Ver⸗ heirathung zu beſchaͤftigen, denn man hatte Gott weiß woher die Neuigkeit erfahren, daß der Doctor