ne
len bt
185
„Ohne Zweifel, mir hat es wenigſtens geſchienen, als ob Du mehr geliebt wuͤrdeſt, als Du bisweilen verdienſt.“
„Ach ſtill, Arnold! Du biſt vielleicht ein ganz vor⸗ trefflicher Arzt, wenn es ſich darum handelt, den Koͤrper zu ſtudiren— aber die Geheimniſſe der Seele...“
„Nun?“
„Ach, nichts... inzwiſchen kannſt Du waͤhrend meiner Abweſenheit den Charakter meiner Frau ſtudi⸗ ren— ich gebe Dir Erlaubniß dazu.“
„Das werde ich auf meine Ehre, weil Dein Frie⸗ den wohl werth iſt, daß ich meinen alten Widerwillen gegen Frauengeſellſchaft uͤberwinde und obſchon Du mei⸗ nem Vermoͤgen, durch die aͤußere Schaale hindurchzu⸗ dringen, zu mißtrauen ſcheinſt, ſo bin ich gleichwohl der Meinung, daß ich Deine Frau richtiger beurtheilen kann, als Du es ſelbſt thuſt.“
„Aber Du glaubſt wohl nicht, daß ſie andere Ei⸗ genſchaften und Vollkommenheiten beſitzt?“
„»Wenigſtens beſitzt ſie einen Mangel, den Du im⸗ mer bemerken wirſt, den, daß ſie Dich von den Muſen losreißen will, um Dich allein zu haben. Daher kommt ihr Haß gegen die Poeſie, ein Haß, der im Grunde nichts Anderes iſt, als weibliche Eiferſucht.“
„Vortrefflich... alſo aus Eiferſucht gegen meine


