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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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Mehrere Male ergriff William den Hut, um wie ehedem hinüber zu gehen; aber ſonderbarer Weiſe hatte ſich mit der Verſetzuug in die alte Zeit auch die alte Schüchternheit wieder eingeſtellt. Er wußte nicht, ob ſie ahnte, daß ſie ihm manche Linderung ihrer Noth zu verdanken hatte, aber das wußte er, daß er ſelbſt ſich dieſes einbilden und es nicht recht wagen würde, ſie anzuſehen, da er nicht gewiß war, ob dieſe Theilnahme, in der ſich eine nie verſchwundene Zärtlichkeit ausge⸗ ſprochen hatte, ihr angenehm geweſen war.

Und jetzt iſt ſie frei!

„ Frei“— Dieſes Wort hatte die ganze Nacht hindurch in ſeinem Ohre geklungen; und mit ungemei⸗ ner Genauigkeit hatte er ausgerechnet, wie viele Tage auf ein Wittwenjahr gehen. Leider hatte es eben ſo viele Tage, als ein anderes— und ein Jahr überhaupt kam William wie ein ganzes Jahrhundert vor.

Schon den ganzen Morgen über hatte Frau N. die gemietheten Möbel abgeſtäubt und gefegt. Marie Luiſt hatte ihr ſchönes Wittwenkleid angezogen; die weiße Kopfbedeckung ſtand ihr ſo gut.

Jedes Mal, wenn es auf der Treppe knarrte, ſa⸗ hen die beiden Frauen einander an. Frau N. lächelte, Marie Luiſe wurde roth; aber immer hatten ſie ſich getäuſcht. Es war entweder Eins von den Hausleu⸗ ten, das auf die Bühne ging, oder war es eine Sen⸗ dung von dieſer oder jener Frau nach einem Kleid, einer Haube, einem Kragen und dergleichen.

Es wurde Mittag. Jetzt konnte Niemand mehr kommen.

„Nun,“ ſagte die Rathsherrin bei Tiſche,„was haſt Du den ganzen Vormittag über bei Dir oben ge⸗ than, Williamchen? Ich dächte, Du hätteſt ausgehen und Jemand beſuchen ſollen— Du gehſt wohl heute Abend dafür hin?“

„Ja, ich ſollte wohl!“ meinte William.

Aber ob er nun ſollte oder nicht ſollte, ob er

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