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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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wenn unſer guter Pfarrer hier wäre, er ſelbſt auf meine Seite treten würde.“

„Das iſt allerdings möglich, meine beſte Tante; aber ich weiß nicht, ob man es für unchriſtlich anſehen kann, wenn man den Stolz und Hochmuth nicht auf⸗ muntern will.“

„Ich glaube,“ erwiederte die alte Utter,„daß jetzt weder von dem einen noch von dem andern mehr die Rede ſein kann. Marie Luiſe iſt von ihrem alten un⸗ glücklichen Fehler ſo bis auf den Grund geheilt, daß ſie im Gegentheil das demüthigſte und unterwürfigſte Weib iſt, das man ſich denken kann. Sie hatte große Prüfungen durchgemacht, Prüfungen, die das Gemüth reinigen und zum Nachdenken ſtimmen. Für gegenwär⸗ tig ſitzt ſie von Allem entblößt und allein mit ihrer Mutter auf einer öden Wohnſtelle im Walde. Ihr Mann ſtarb durch einen Unglücksfall und mit dem We⸗ nigen, das zum Begräbniß eingegangen iſt, ſind auch ihre letzten Hülfsquellen verſiegt.“

„Das arme Weib— ſie iſt alſo wirklich einmal demüthig und zerknirſcht geworden?“

„Das arme Weib, ſie hat alſo die Ruthe küſſen müſſen— die Strafe war ihr gewiß von Nutzen.“

„Das arme Weib— es iſt ſehr gut, daß ſie an Arbeit gewöhnt war, ehe ſie vornehm wurde! Jetzt wird ſie nur alte Gewohnheiten annehmen müſſen.“

„Das arme Weib, ſie wird wohl zu ihren adeligen Freunden gehen und betteln müſſen.“

So toͤnte es im Kreis.

Die alte Utter fuhr fort:„Sie war früher ein Mitglied dieſer Stadt— es würde nur als ein ſchöner Zug erſcheinen und einen Beweis von den hier herr⸗ ſchenden reinen und edlen Geſinnungen geben, wenn die Stadtbewohner einige Kleinigkeiten, die nicht der Rede werth find, vergeſſend, ſie mit Freundlichkeit einladen würden, wieder hieher zu kommen.“

„Hieher— von was, ums Himmels willen, ſollte