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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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ſchen für alle Bedürfniſſe hier einmiethen könnte. Ich weiß nichts Langweiligeres, als in einer kleineren Stadt im Wirthshaus zu eſſen, wo man ſo gut wie allein ſeine Mahlzeit halten darf. Auch gibt es nichts Be⸗ ſchwerlicheres, als die Bequemlichkeit der Heimath zu vermiſſen, wenn man an einer anhaltenden Arbeit ſitzt. Dieſer Vorſchlag wurde ſogleich angenommen. Und nach einigen Stunden war unſer Feldmeſſer mit Sack und Pack glücklich in ſeine neue Wohnung eingezogen. Nun, Carl, was denkſt Du zu all dem? fragte William, als Herr Carl ihm beim Stiefelausziehen half. Ich, Herr Ingenieur, denke, daß Alles ſchön wer⸗ den wird, antwortete Carl mit einem vergnügten Blick.Ich bekam einen ſo ausgezeichneten Brei, daß

ſelbſt die Frau Gerichtsbeiſitzerin vor Freude faſt zer⸗

ſprungen wäre, wenn ſie geſehen hätte, wie weiß er war. Aber wenn ich mich rühmen darf, ſo war ich nachher ſelbſt auch ſo flink wie ein Barſch und putzte Meſſer und Lichtſcheeren, daß ſie glänzten wie die Sonne in Carlsſtadt.

Gut; ich weiß, was Du für Reden über Deine Talente halten kannſt, mein lieber Carl! Mache jetzt nur, daß meine Stiefel eben ſo glänzend werden wie die Lichtſcheeren der Frau Rathsherrin. Und höre nun weiter. Wenn der Kaffee zu früh herauf kommt, ſo bitteſt Du in aller Höflichkeit, daß man ihn warm hal⸗ ten möge, bis ich erwache, und iſt dieß nicht vor neun Uhr geſchehen, ſo kannſt Du mich wecken jetzt gehab Dich wohl.

Als der Ingenieur am folgenden Vormittag gegen elf Uhr zu ſeinen Wirthsleuten herabkam, hatte ſich der Rathsherr nach einem langen Warten am Frühſtücks⸗ tiſche endlich auf die Rathsſtube begeben, und das ſonſt ſo freundliche Geſicht der Alten zeigte zweideutliche Falten über den Augbrauen.

Mein lieber junger Herr! ſagte ſie in einem