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vollkommen zu Hauſe. Einmal über das andere drückte er der Rathsherrin die Hand, während er hin⸗ und herlief und Alles bis auf den Winkel und die Garde⸗ robe hinaus in Augenſchein nahm.
„Ja, Gott ſei Dank, daß es ſo iſt, wie es iſt,“ ſagte der Rathsherr vergnügt.„Als ich und Mutter uns verheiratheten, war dieſe kleine Wohnung nur ein großer Dachboden und war dieß bei meinem Vater und Großvater geweſen. Aber Gretchen, meine Alte, gab ſich ſo lange Mühe, auch eine obere Wohnung zu bekommen, wie die andern Frauen, bis ich endlich um des Hausfriedens willen nachgab.“
„Und warſt Du dann nicht auch recht froh darüber, Vater?“ fragte die Rathsherrin, indem ſie den Alten herzlich anblickte.
„Ei freilich! es wurde ja recht hübſch. Aber Herr Ingenieur, glauben Sie mir, Rom wurde nicht in ei⸗ nem Tag erbaut. Das eine Jahr wurden die Wände gezimmert, im andern kam die innere Einrichtung, im dritten brachten wir die Geräthſchaften zuſammen und im vierten und letzten, da wir Alles bis Weihnachten fertig haben wollten, hatte Mutter mit eigener Hand den Ueberzug zu den Möbeln und Polſtern, die Gar⸗ dinen und den ganzen Fußteppich verfertigt. Da hiel⸗ ten wir einen Schmaus und hatten des Bürgermei⸗ ſters und des Probſts und mehrere andere Freunde bei uns, und auf dieſer Nachhochzeit, wie wir es nannten, ging es luſtig her, Herr Ingenieur; denn Gretchen und ich waren damals eben im 25ſten Jahre verheirathet.“
„Nun, wir wollen hoffen, daß Sie eine nicht min⸗ der fröhliche goldene Hochzeit feiern dürfen,“ ſagte der Ingenieur freundlich.„Aber um wieder auf unſere Sache zurückzukommen, ſo habe ich einen Vorſchlag zu thun, mit dem ich mich vornehmlich an die Frau Raths⸗ herrin wende, denn ich weiß, daß die Frauenzimmer in dieſem Punkte die entſcheidende Stimme haben. Wäre es nicht möglich, daß ich mich mit meinem Bur⸗


