Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
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den Scheeren erſchienen, wo er mit klingender Münze in der Taſche angekommen und nun über ein Jahr anſäſſig gewe⸗ ſen war.

Jung, kühn, leicht entflammt, und ſeiner Unwiderſtehlich⸗ keit für das ſchöne Geſchlecht ſicher, war er wie ein Schmetter⸗ ling, von einer Strandroſe zur andren geflattert, bis er jetzt ſo ernſthaft gefeſſelt worden, daß er, falls er den Gegenſtand ſeiner heftigen Neigung gewinnen konnte unter Hymens Feſſeln ſich zu beugen beſchloſſen hatte. Das war aber der frag⸗ liche Punkt, obſchon Jörgen Kon auf dem Gebiete der Sitt⸗ lichkeit vor allen ſeinen Collegen den Vorſprung hatte. In Trunk und Spiel, Kampfluſt und allen tollen Streichen immer der Erſte, verſtand er es, mit den jungen Frauen herzlich

zu plaudern aber mitten in dieſen fröhlichen Geſprächen überfiel es ihn wie eine heimliche Trauer die ſich nur

bei der jetzt angebahnten Courtoiſie noch nicht fühlbar ge⸗ macht hatte.

Es war aber auch keine Schönheit, aus den Härings⸗ ſalzereien, welche ſeine Antipathie gegen die Ehe beſiegt hatte, ſondern die ſchüchterne, hübſche, verſtändige Haushälterin der beiden Herren Diedrichſen und Dittmer, die junge Wittwe Guri Anundſſon.

Guri hatte ſich das erſte Mal nicht aus Neigung ver⸗ heirathet. Jung und arm, hatte ſie auf anſtändige Weiſe ver⸗ ſorgt werden wollen, aber die kinderloſe, nach drei Jahren durch den Tod geſchiedene Ehe hatte ihr nichts, als eine ärmliche Wohnung und die Frauenwürde hinterlaſſen. Letztere ſchützte ſie nicht vor allerlei läſtigen Artigkeiten, und da die Zeit nicht günſtig war, ſich den täglichen Unterhalt mit Weben und Spin⸗ nen zu verdienen, hatte ſie den Platz als Haushälterin dank⸗ bar angenommen.

Es war alſo auf dem Beſitze des Patron Smith, wo Jörgen Kon die vierundzwanzigjährige Guri in ihrer reichen

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