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Binnen sechs Wochen : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwedischen übers. von G. Fink
Entstehung
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In dem Stübchen, wo die Schweſtern ſo manches Jahr zuſammengelebt, ſtand Bertha eine Stunde ſpäter und betrachtete ein über Hildas Bett hängendes Por⸗ trät.

Es war das Bild ihres Bräutigams.

Die Thränen hingen wie Perlen noch klar in Ber⸗ thas Wimpern. Sie hatte ſoeben einen Brief voll von unansſprechlich zärtlicher Dankbarkeit an ihre alte Freundin vollendet, welche ſie in dieſem Leben nicht mehr zu ſehen hoffen konnte.

„Ach vielleicht weiß ſie noch nicht Alles, was ich ihr hienieden ſagen wollte, aber ſie ſoll es erfahren, wenn wir uns im Himmel treffen... Wir könnten jetzt alle glücklich werden.— Aber werden wir es wohl werden?“

Sie ſah mit beinahe drohendem Blick auf das Bild des jungen Mannes, auf deſſen blaſſer Stirne eine qualvolle Wehmuth lag, trotz des feinen erzwunge⸗ nen Lächelns auf den Lippen.

„Dieß Ding da,“ fuhr ſie fort, indem ſie mit einer ziemlich heftigen Bewegung das Porträt von der Wand rieß,„werf ich jetzt in die Rumpelkammer. Mögeſt du nie deinen Platz wieder erhalten, du alberner Sklave alter Einbildungen, du undankbares Geſchöpf, das du nicht ſiehſt, was du verſchmähſt.“

Sie trug das Porträt ohne weitere Umſtände und trotz des betrübten Blicks, welchen, wie ſie meinte die blauen Augen auf ſie hefteten, in die Dachkammer und legte es mit unſanfter Hand in eine alte Kiſte, eine Art von Tempel für vergeſſene Reliquien.

„Schlaf wohl, Rittmeiſter, ſchlaf bis zum Tage des Gerichts oder wenigſtens bis du deine erſte Braut wie⸗ der findeſt. Geſchieht dieß, ſo will ich bei der Ehre einer chriſtlichen Jungfrau, wie es in den Tagen der alten Welt hieß, dich aus deinem Grabe hervornehmen und dich in ein Hochzeitsgeſchen? verwandeln... Aber