Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

J. Die Anzüge.

Donnerſtag Vormittags ſaß Emma ganz einſam in ihrer Stube und putzte mit einer Scheere die hervorſtehenden Fäden von dem fatalen Gewebe ab, das ſie nun aus dem Webſtuhl ge⸗ nommen hatte. Ihre Gedanken waren mit ihrem gewöhnlichen Gegenſtand beſchäftigt— mit Eduard. Sie freute ſich, daß ſie wieder zwei Tage in ſeiner Geſellſchaft zubringen würde; denn Sonnabends war Johannisvorabend, und an dieſem Tage ſammelten ſich alle Bewohner des Hammerwerks, Hohe und Niedere, auf dem Herrenhof, um den Maibaum zu umtanzen. Und da dies das erſte Johannisfeſt war, welches der junge Graf in Bes zubrachte,— außerdem aber auch ſein Namenstag Adolf— ſo hatte die Gräfin Veranſtaltung getroffen, daß ſich die jungen Leute aus den höhern Ständen maskiren ſollten, um ihren Sohn damit zu überraſchen. Man hatte keinen Ball für die Herrſchaft veranſtaltet, weil das Volk in dem großen Saal des einen Schloßflügels, der Gerichtsſaal genannt, tanzen ſollte: und zum Muſiker dazu hatte man einen buckligen Fröh⸗ nersſohn, Nils oder Normans Niſſe genannt, der ſich durch Harfenſpiel auszeichnete, gedungen.

Am Johannistage dagegen ſollte in der Pfarre die förm⸗ liche Verlobung gefeiert werden. Und dazu waren eingeladen: erſtens alle Standesperſonen auf dem Hammerwerk— auch die gräfliche Herrſchaft?— das verſteht ſich von ſelöſt Zwei⸗

Emma's Herz. II.