Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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Aber gerade über den letzteren Umſtand brummte Tante Gertrud, weil ihr das Vergnügen genommen worden war, den jungen Grafen ſeinem Stande gemäß zu bekomplimentiren, da ſie ihn auf der Reiſe blos für einen einfachen Studenten gehalten und deshalb nicht ſo artig behandelt hatte, als ſie für vöthig

hielt.

Unterdeſſen ſtanden der Graf und die Gräſin in der Thüre des Salons und blickten den Fortgehenden nach.—„Sieh, — ſprach der Graf zu ſeiner Gemahlin—„mit welcher Ehrfurcht ſie der alten Tante ihren Arm bietet.“—„Ach ja, ſie kann ſich gar recht gehaben,“ verſetzte Louiſe.—„Wie biſt

Du wunderlich!— rief der Graf.—„Was haſt Du denn gegen das Mädchen, liebe Louiſe? Sie iſt, bei meiner Ehre,

ebenſo liebenswürdig als ſchön.“—„Eingebildet, kokett, pre⸗ tentiös,— murmelte Louiſe.—„Nichts von dem Allen iſt ſie,— erwiederte die Gräfin—„wenigſtens fand ich ſie ganz beſcheiden und anſpruchslos, ohne daß ſie ſich dabei im mindeſten albern gezeigt hätte.⸗—„Das glaube ich wohl, daß ſie vor Ihnen, Tante, beſcheiden iſt,“— verſetzte Louife

—„denn ſie wird wohl noch nicht oft mit Perſonen Ihres Standes geſprochen haben; aber man muß ſie unter ihres Gleichen ſehen— da habe ich ſie geſehen— da erſt zeigt ſie ſich, wie ſie iſt.— Mit großem Ernſt im Blick und in der

Stimme ſprach jetzt der Graf:—„Nimm Dich in Acht,

Louiſe, übel von dem Mädchen zu ſprechen. Wenn es ein

Fremder hörte, er könnte glauben, Du wäreſt neidiſch auf

ihre Schönheit und ihre Talente.“ Bei dieſem eben ſo bittern als gerechten Vorwurf wurde Fräulein Louiſe ſo zornig, daß ſie von ihrem Platz aufſprang

und die mit vieler Sorgfalt zugeſpitzte ſchwarze Kreide mit ſolcher Heftigkeit von ſich warf, daß ſie in Stücke zerbrach.

Eilends ging ſie in ihr Zimmer und weinte vor Zorn. Unterdeſſen war im Küchenflügel ein ſo entſetzlicher Le

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