11
den politiſirten ſie auch ein wenig, allein dies war im Ganzen nur ein unſchuldiger Zeitvertreib in guter Geſellſchaft, bei gan. dem Bierkrug oder dem Damenbrett. Handelte es ſich um un⸗ eine Kollekte für die Armen, um Beiträge für irgend einen dem wohlthätigen Zweck, die Erbauung eines Schulhauſes oder ja, die Anlegung einer neuen Straße, ſo ſtand der Familien⸗ 4 name Kemner immer mit großen und breiten Buchſtaben ein verzeichnet obenan, damit die Gemeinde und die ganze vas Umgegend erfahren ſollte, daß die Kemner ſich niemals in auf der Schatten ſtellten, wenn ſich eine Gelegenheit vorfand n's Eifer für das allgemeine Beſte und zugleich ihre eigene ein Wohlhabenheit zu zeigen.— die 4 Als der dermalige Hammerbeſitzer Johannes Kemner ren ſich verehlichte, hegte er die nicht unbillige Hoffnung, daß und ſeine Nachkommenſchaft ihm und ſeinen Vätern in Allem
gleichen möchte. Aber zuerſt hatte er das Unglück, ſeine zwei älteſten Söhne zu verlieren, die alle möglichen An⸗ lagen verrathen hatten, weder mehr noch weniger als ihres Vaters Söhne zu werden, und dann mußte er den Verdruß erleben, daß ſein dritter Sohn und einzig übrig gebliebener Erbe, Karl Auguſt, an Gemüthsart, Charakter und Anſchauungsweiſe ganz und gar keine Aehnlichkeiten mit der übrigen Familie Kemner darbot. Schon als Kind zeigte Karl Auguſt einen Eigenſinn, der ſeinen Vater häufig in Harniſch brachte, und welchen derſelbe ſpäter durch Karbatſche, Hunger und Dunkelarreſt, am Eingang des Kellers nämlich, zu bekämpfen ſich bemühte.
„Das taugt nichts,“ ſagte Frau Agneta warnend. „Du machſt den Jungen noch raſend. Wenn Du ihn ſchlägſt, ſo beißt er ſich eher die Zunge ab, als daß er ſchreit; wenn Du ihm nichts zu eſſen gibſt, ſo wird er eher Hungers ſterben, als um Speiſe bitten, und ich fürchte immer, er möchte ſich einmal im Kellergewölbe den Kopf zerſchlagen, ehe er um gut Wetter fleht.“—
Karl Auguſt that indeß nichts von all dieſem; er überſtand glücklich jede Kur, zeigte ſich aber nicht ſonderlich gebeſſert.


