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ſank ſie hinab auf das Kiſſen, weinte leiſe und betete. In ihrem Herzen aber war Licht und Frieden, denn auch der Schmerz hat ſeine Seligkeit, wenn er geläutert wird.
In der Thür, welche die Galerie von dem Corridor trennte, wendete Juſtus ſich um und ſtreckte die Arme aus gegen das innere Zimmer. Eine geheime Stimme flüſterte ihm zu:„Noch iſt es nicht zu ſpät ¹“ doch eine mächtigere rief:„Flieh!“ Und die Thräne zerdrückend, die ſich in dem Winkel des Auges hervorſchleichen wollte, ging er leiſe hinaus und ſchloß die Thür.
Nahe an dem Ende des Corridors ſtand er ſtill und klopfte an eine andere Thür.
Dieſelbe wurde von Innen geöffnet, und Conſtance zeigte ſich.
„Was bedeutet das 2“ fragte ſie erſtaunt.„Ich ſehe, daß es keines Glückwunſches bedarf!“
„Das bedeutet,“ erwiederte er, und ſeine Augenbrauen falteten ſich leicht zuſammen,„daß ich kein Charlatan war, der die Religion zum Deckmantel ſeiner Beſtrebun⸗ gen gebrauchte, in der Welt vorwärts zu kommen, und mir eine reiche und ſchoͤne Braut zu ſchaffen. Ich bin arm, aber entſage den Verſuchungen des Reichthums— ich habe ein Herz, und ich entſage dem Glücke.... Stehe ich jetzt gereinigt da 2°
Conſtance ſchien beſtürzt zu ſein.„Was thun Sie denn, Herr Magiſter?“
„Ich laſſe mich als Geiſtlicher ordiniren und reiſe als Miſſionär nach Indien.“
„O!l“ Ein Zittern durchflog Conſtance's Glieder. „So laſſen Sie mich denn erkennen, daß ich Unrecht, ganz Unrecht gehabt habe— und laſſen Sie mich noch hinzufügen, daß ich warm überzeugt bin, daß Sie dort weit mehr an Ihrem Platze ſind, als hier... Doch, Evelyn, Evelyn 14
„Fürchten Sie nichts— ich habe ſie in einer Ge⸗ müthsſtimmung verlaſſen, die zwar ſchmerzhaf
t iſt, aber
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