ich erſt einige Jahre bei andern Leuten die Landwirthſchaft gelernt, ſo daß ich Alles tüchtig kenne, ſo kaufe ich mir ein Stück Land und pflanze für mich ſelbſt Kohl und Kar⸗ toffeln, und dann kann Mutter bei mir wohnen bis Juſtus ſich bis zu einem Lectoramte ſtudirt hat— denn ich kann mir denken, daß er mit nichts Geringerem zufrieden iſt.“
„Ich begnüge mich nicht damit, Lector zu werden,“ ſagte Juſtus ernſthaft.
„Nun, wie hoch willſt Du denn, mein Sohn?“
„Ich will ein Tabouret im Staatsrathe haben!“
„Behüte Gott, welch ein Ehrgeiz! danke Gott, lie⸗ bes Kind, wenn Du in einer kleinen Stadt Bürgermeiſter wirſt! Bedenke, wie arm Du biſt 1“
„Nun? wer war wohl ärmer als der Sohn des Käthners, der den Stock wegwarf, mit welchem er die Schafe hütete, um ſpäterhin den Biſchofsſtab zu umfaſ⸗ ſen? Wir haben allzu viele Beiſpiele, wie unbemittelte Jünglinge ſich zu hohen Chrenſtellen empor gearbeitet haben, als daß die Armuth für ein Hinderniß gelten koͤnnte, wenn Einer ſo hoch ſtreben will, als die Flügel ihn zu tragen vermögen.“
„Wenn aber nun die Flügel unterweges erſchlafften und er ganz einfach herunterfiele 2“ bemerkte Leonard in ſeiner trocknen, proſaiſchen, aber gutmüthigen Weiſe.
„Was thuts?“ entgegnete Juſtus—„was hat er dabei verloren, daß er flog, ſo weit er konnte 2“
„Nur den Muth, denke ich, nachher unbemerkt in einen Nebenweg einzuleiten, wohin die Flügel, nachdem ſie ein wenig umgepflaſtert worden ſind, ihn möglicher Weiſe tragen könnten.“
„Du irrſt, und darüber wundere ich mich nicht.“
„Warum aber,“ fragte die Mutter vorwurfsvoll, „ſagſt Du das in einem ſolchen überlegenen Ton? Lieber Juſtus! Leonard hat ohne Zweifel Recht.“
„Ja, ſo ſehr hat er Recht, wie derjenige, der gerade ſo weit ſieht, als die Augen ihm ihre Dienſte nicht ver⸗
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