Teil eines Werkes 
Band 5, 1. Theil, 1.-6. Bändchen (1848) Eine Nacht am Bullarsee. Band 5, 1. Theil, 1.-6. Bändchen
Entstehung
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Einleitung.

Biele Winter hindurch ſah man, wie ein einſames Licht ſeinen ſchwachen Schein über eine der öͤden Ebenen von Halland warf. Es wurde gewoͤhnlich gegen vier Uhr Morgens angezündet, und nachdem es gleich dem Irrlichte eine Weile hin und her gewandert hatte, ſo verblieb es zuletzt an einem beſtimmten Punkte, von wo es gleich einem Leuchtfeuer zu Lande den Neiſenden, die um dieſe Zeit über die Ebene fuhren, den Weg zeigte.

Dieſes Licht leuchtete in einer kleinen Wohnung, die an einem der mit Heidekraut bedeckten Hügel, welche die genannte Ebene begränzen, aufgeführt war; es leuchtete hier einer Mutter, die regelmäßig an jedem Morgen um vier Uhr ihre Tagesarbeit begann.

Nur die Hände einer Mutter ermüden nicht, wenn ſie von vier Uhr Morgens bis um zehn Uhr Abends arbeiten; nur die Augenlider einer Mutter werden nicht ſchwer unter dieſen peinigenden und einfoͤrmigen Arbeiten; nur die Ein⸗ bildungskraft einer Mutter iſt lebendig und reich genug, um dieſen Stunden Flügel zu verleihen und ſie mit ſchim⸗ mernden, roſigen, lächelnden Träumen auszuſchmücken.

Welche irdiſche Liebe kann ſich meſſen mit der Liebe einer Mutter?

Sie brauſet nicht, ſie ſiedet nicht, ſie dürſtet nicht, ſie wirft ſich nicht in den Abgrund, wenn ſie aus dem Himmel hinausgeſtoßen iſt. Sie hat ihren eigenen Himmel, in welchem ſie ſelbſt dann noch bleibt, wenn äußere und innere Stürme die Mauer der reichen Hoffnungen, von der ſie einſt umgeben war, zerbrochen und zertrümmert haben. Ja ſelbſt dann noch, wenn außer dem Tode keine Hoffnung