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Lavinia ſah ihn an mit einem von dieſen Blicken, die ſo viel verſprechen.
Darauf fuhr ſie fort:„Sprechen wir nun über Gott⸗ hard! Es iſt faſt unbegreiflich, daß ich mit ſo vieler Nuhe ſeinen Namen ausſprechen, mit ſo vieler Ruhe an ſein Betragen denken kann! Aber der Brief, welcher auf einmal und auf ewig ſein Bild aus meinem Herzen riß, enthält das Geſtändniß von einer verbrecheriſchen Leiden⸗ ſchaft, die er während ſeines Aufenthaltes bei dem Bade in** gegen ein junges Mädchen gefaßt hat, welches er zu⸗ erſt auf einem ſeiner Spaziergänge vor der Stadt angetroffen, deſſen Bekanntſchaft er nachher erworben und unterhalten hat, ohne ſeine Verlobung zu verrathen. Erlaß es mir, mich weiter auszuſprechen: ich will Dir den Brief zeigen, jer, da es mich nicht mehr demüthigt, daß Du ihn ſiehſt; und Du wirſt begreifen, daß es mir mit meiner
Art ein Verlöbniß zu betrachten unmöglich war, den Ver⸗ luſt eines Mannes zu betrauern, den ich verachten
muß trotz ſeiner Reue über das Verbrechen, welches er ſowohl gegen die arme Verführte, als auch gegen mich, ſeine Braut, begangen hatte. Wie kam aber Maria Rehn⸗ man an dieſen Badeort?“
„Sie war nicht beim Bade, ſondern bei Verwandten, die in der Nähe der Stadt auf dem Lande wohnten; und obgleich ich damals gar nicht begreifen konnte, warum Frau Rehnman ſie dahin xeiſen ließ, ſo glaube ich jetzt einzuſehen, daß es geſchehen ſein muß, um dem Geſchwätz ein Ende zu machen, womit unſre klatſchſüchtigen Nach⸗ barn wahrſcheinlich ſchon damals zur ihrer Unterhaltung meine Beſuche auf Kullen erklärten. Ich ging oft dort⸗
hin, beſonders ſeitdem ich Wittwer geworden war. Meine aauke, verſtimmte Seele bedurſte ſo ſehr dieſer freund⸗ lichen Geſichter, und überdies iſt mir die Geſellſchaft der Walten Frau Rehnman immer von hohem Werthe gew 5


