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Ein Jahr : Novelle ; fünf Bändchen / von Emilie Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
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„Dieſe Kur meinſt Du wohl— nein, nein, das kann wohl ſein; da aber nichts mit der Erfahrung ſich vergleichen läßt, ſo war ſie doch vielleicht nicht unnöthig.“

Und Ludwig, der mit jedem Tage immer verliebter in ſeine Frau wurde, entdeckte auch mit jedem Tage an ihr eine Menge neuer Reize, denen er durch die Bewun⸗ derung Anderer auf die Spur kam. Dennoch litt er nie an Eiferſucht, denn Lavinia gab keinem ihrer Bewunde⸗ rer nur das entfernteſte Zeichen der Aufmunterung; aber er litt fürchterlich an Neid. Alle wollten ſie ſehen, mit ihr reden, ihren Geſchmack über alle neuen Vergnügun⸗ gen um Rath fragen; und nicht genug, daß dieſe Gefäl⸗ ligkeit ſie außer dem Hauſe umgab, auch noch an den wenigen Stunden, die ſie zu Hauſe war, konnte man hinlänglich davon ſehen.

„Die Thüren ſind doch nie in Ruhe vor den ewigen Viſiten!“ hieß es einige Male mit einigen kleinen unzwei⸗ deutigen Zeichen von Ungeduld..

Bei der erſten Gelegenheit ſchien es Lavinia nicht zu hören; bei der andern aber fragte ſie mit einem ihrer gefährlichſten Blicke:„Iſt es Dein Wunſch, daß wir nicht entgegen nehmen?“

„Wenn es Dir gleichgültig iſt, mir iſt es gewiß gleichgültig— das ſoll Gott wiſſen!“ meinte der Ritt⸗ meiſter, unendlich entzückt über die Ausſicht, ein Paar Stunden mit ſeiner Frau allein verleben zu können.

Doch Lavinia, welche gegenwärtig oder ſo lange die beſchloſſene Prüfung dauerte, nichts weniger wünſchte, als ihrem Manne Gelegenheit zu geben, ihr unter vier Augen den Hof zu machen, antwortete ganz ungekünſtelt:

„Nein, da müßte ich die Unwahrheit ſagen— ich meine, wenn man einmal hieher gekommen iſt, ſo muß man auch geſellſchaftlich ſein.“

„Nun ſo ſind wir für alle Menſchen zu Hauſe! Doch erſt jetzt, da ich bemerke, wie gerne Du Fremde ſiehſt, wie großes Vergnügen es Dir macht, an allen Arten von Vergnügungen Theil zu nehmen, erſt jetzt begreife ich,