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die Wochen auf der Wage der Liebe gewogen werden, ſo werden ſie dennoch immer ſchwer. Und Lavinia, die jeden Tag, jede Stunde wog, verlor faſt ihren ganzen Muth, als gegen Ende des Auguſt von Gotthard die Nachricht einlief, daß ſeine Geſundheit, ſtatt beſſer zu werden, ſich ſo bedeutend verſchlimmert hätte, daß er nur ſehr langſam zurückkehren könnte, und gewiß erſt in der Mitte des September zu erwarten wäre.
Rudolf würde ihm ſehr gerne augenblicklich ſentgegen gereist ſein, wenn er ſeine Reiſeroute gewußt hätte; darüber ſand ſich jedoch in Gotthard's Briefe nicht die geringſte Spur: im Gegentheil ſtand dort ausdrücklich, daß ihn kein Brief mehr an dem Badeorte, wo er ſich aufhielt, treffen würde.
Der September verging zur Hälſte, er verging ganz, ehe Gotthard ankam. Mit heftig klopfendem Herzen flog Lavinia dem geliebten Kranken entgegen; doch da ſie ihn erblickte, ſo war ihr Herz nahe daran, vor Schrecken ſtille zu ſtehen.
War das ihr ſchöner, ihr herrlicher Gotthard? Hatte die Krankheit ihn ſo verheert und entſtellt? Seele und Leib ſchienen zu leiden, und von einer Hochzeit konnte nicht weiter die Rede ſein.
Gotthard ſelbſt ſagte auch kein Wort davon. Er war ſo wunderbar verändert, daß Lavinia ihn ſelbſt in ſeinen beſten und lichteſten Augenblicken nicht wieder er⸗ kannte. Und wenn ſie ihn mit ihrem gutmüthigen, lieb⸗ lichen Lächeln zu beleben ſuchte, wenn ihre Lippen Worte voll Hoffnung und Liebe redeten, ſo ſchüttelte er leiſe ſein Haupt und ſagte betrübt:„Nicht hier, Lavinia, nicht hier: ich habe es nicht verdient ſo glücklich zu werden. Ich will nun ſterben— das iſt das Beſte!“
Lavinia's Betrübniß war tief, grenzenlos; denn ſie ſah, daß er ſterben wollte, daß er nicht einmal den Wunſch hegte, geſund zu werden, gar nicht daran dachte, daß ihre Schickſale ſich vereinigen ſollten. Und dennoch ſagte er oft:„Hätte Gott es gewollt, wären wir ſchon


