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ob ich arm und elend ſterben muß!“— da widerſtand ſie endlich nicht länger. Und als ſie ihr Herz, ihre Liebe ſchenkte, ſo ſcheukte ſie ihm einen ganzen Himmel, in welchem nunmehr kein einziger Gedanke an den Tod Platz finden konnte.
Sie wurden verlobt.
Aber das Glück wollte Lavinien in noch höherer Vol⸗ lendung entgegen lächeln.
Rudolf erhielt ein einträgliches Amt bei einem Col⸗ legio der Stadt, und nun fehlte um ſo weniger an ihrem Glücke, als Gotthard's Geſundheit ſich immer mehr zu befeſtigen ſchien.
„ Siehſt Du?“ ſagte er, indem ſein Blick voll Zärt⸗ lichkeit auf ihr ruhte,„ich hatte Recht, als ich ſagte, daß Deine Liebe mir das Leben zurück geben würde.“
„Und die Deinige,“ erwiederte ſie mit einer Stimme, welche die Tiefe und den Reichthum ihrer Gefühle offen⸗ barte,„ſollte mich erſt lehren, daß das Leben wirklich Leben iſt.“
Baron Gotthard von L—, der einen lange Zeit der Gegenſtand aller Geſpräche in den Geſellſchaften geweſen war, mußte jetzt dem neuen Protokolls⸗Secretair von B— Platz machen, welcher, wenn auch nicht ſo ſchön wie Gotthard, dennoch durch ſeinen angenehmen Umgang, ſeinen offenen Charakter und ſeine ſtets frohe und gute Laune mehre Sympathien gewann.
„Sie berauben mich Deiner bald!“ äußerte Lavinia nicht ſelten, wenn ſie alle blitzenden Augen ſah, die dem lebensfrohen Rudolf folgten.
„Ja, es iſt ſchon aus mit mir!“ rief er eines Tages zur Antwort.„Ich bin verwundet in meinem Herzen, und Leben und Tod hängt ab von ihr, die den Pfeil warf.“
Lavinia zitterte vor dieſer Eröffnung ihres Bruders. Sie wußte, daß er zu derjenf Klaſſe von Mannern gehörte, welche die Liebe ſtarrbliſt zu machen pflegt, und fürchtete daher doppelt, einen Namen zu hoten, den ſie


