ſaß, und gegen die der Herbſtwind vornehmlichſt ſpielte,
einen Vorhang bildete.
Lavinia dankte nicht für dieſe Artigkeit, und ſelbſt zeigte er es durch keinen Blick an, daß dieſelbe ihr geweiht war; daß jedoch die Anordnung ihm ſelbſt nicht gerne gelten konnte, war natürlich, denn er ſeines Theils wäre ja beſſer geſchützt geweſen, wenn er auch die andere Hälfte des Mantels behalten hätte.
Julia's und Rudolſ's Augen begegneten ſich. Die ſeinigen lächelten, die ihrigen hatten einen etwas ſpöttiſchen
Ausdruck, als wollte ſie ſagen:„Nun, nun, man iſt ja
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nicht alle Tage im Jahre Bräutigam!“
Zweites Kapitel.
Eine Meile von der Stadt entfernt gab es ein ſchön gelegenes Wirthshaus, das von den Stadtbewohnern im Winter zu Schlittenpartien, im Sommer zu Mittagen und Bällen im Grünen benutzt wurde, im Herbſt aber wenig beſucht war.
Dennoch ſollte es heute die Merkwürdigkeit erleben, innerhalb ſeiner Mauern eine vornehme Hochzeit oder viel⸗ mehr richtiger eine vornehme Trauung feiern zu ſehen: denn zufolge der einhelligen Uebereinkunft der Hochzeitgäſte wäre es allzu lächerlich, wenn dieſe ſonderbare Anordnung Anſpruch auf den Namen einer Hochzeit machen wollte.
Als der Wagen des Rittmeiſters anhielt, waren der Mittagstiſch, das Trauzimmer, der Geiſtliche und die Zeu⸗ gen ſchon in Ordnung. Und die Glücklichen, welche ein⸗ gelaben waren, der Ceremonie beizuwohnen, überrechneten ſchon in Gedanken— ehe man noch etwas geſehen hatte— die Maſſe von interreſſanten Vacheuaen, womit am aläen Morgen Freunde und Bekannte erfreut werden wllien. 3
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