„Nein, nein!“ rief Julia mit keinesweges gezierter Unruhe,„Du zerknitterſt mir das Kleid! Ach, das iſt ja auch eine Idee zum Weinen, auf's Land zu reiſen um ſich trauen zu laſſen, wenn man die ſtattlichſte Hochzeit in der Stadt feiern kann!“
„Wo die Kleider nicht Gefahr laufen, die kleinſte Falte zu bekommen?“ 3
„O ja, auch darauf ſollte man Rückſicht nehmen, denn wie die Toilette ausſehen ſoll, nachdem man auf ſo herrlichen, tiefen Wegen eine ganze Meile gefahren iſt und das Vergnügen gehabt hat, in einer Viertelſtunde wenigſtens zwanzigmal gegen einander geſtoßen zu werden, das kann jeder leicht einſehen, der da meint, es verlohne ſich der Mühe, an ſolche Kleinigkeit zu denken. Doch,
ſiehſt Du, mein ſüßeſter Rudolf, ein Jeder hat ſeine
Ideen.“ 1
„Und um aufrichtig zu ſein, Julchen, finde ich dieſe ganz natürlich. Ludwig iſt Wittwer: Lavinia verlor ihren Verlobten vor um zehn Monaten; beide haben alſo ihre Erinnerungen, welche beſonders an einem Tage, wie der heutige, gewiß keine unbedeutende Rolle ſpielen werden.“
„Doch geſtehe, mein Rudolf, daß ſie eine ganz eigenthümliche Art haben, ihre Erinnerungen zu behandeln! Er verliert eine Frau, von der Gott und die ganze Welt weiß, daß ſie nicht liebenswürdig war; man ſagte auch nicht, daß ſie ein Engelleben mit einander gelebt hatten: man wollte im Gegentheil behaupten, daß der barſche Rittmeiſter den Herrn im Hauſe recht tapfer ſpielte. Nichts deſto weniger hat ihn die gute ſelige Frau mit ihrem
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hinterlaſſenen Reichthume und den beiden kleinen Zwillin⸗
gen kaum allein gelaſſen, ſo giebt es eine Trauer, eine Trauer ſo tief, bitter und langwierig wie... wenn... wenn zum Beiſpiel... Du mich verloren häͤtteſt! Nunl vagenen war mein gnädiges Fräulein Schwägerin
dem iebenswurdigſten und ſchönſten jungen Manne
jemals geſehen habe... Ja, das hilft er war ſchöner als Du und beſtimmt
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