Teil eines Werkes 
1.-5. Bändchen (1846)
Entstehung
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In dieſen Worten Letsler's lag ein Ausdruck, der Nicolinens weiches Herz erzittern machte. Es vergingen einige Augenblicke, ehe ſie das Schweigen zu brechen wagte. Endlich ſagte ſie ganz leiſe, ſchmeichelnd, bittend mit der ganzen Kraft der lieblichſten Stimme:„Ich meinte nicht das Böſe, das Du denkſt; Gott ſieht, daß ich es nicht meinte—— doch koͤnnte ich Dein Weib, Deinem Herzen ſo nahe ſein, ohne die Zeit lang zu nennen, die mich von Deinem wahren Menſchen trennte?“

Es war wunderbar, zu ſehen, wie der kalte, verſchloſ⸗ ſene Mann mit einem Blitz ploͤtzlich aufflammender Leiden⸗ ſchaft das Weib an ſeine Bruſt zog und ihre blonden Lo⸗ cken mit der ganzen Gluth eines Jünglings küßte:„Mein beſſerer Menſch wohnt nicht in meinen Gedanken, Nicoline; nur meine Gefühle wohnen in meinen Herzen, in der Seele, in dem Gemüthe, und ſie alle gehoͤren allein Dir, Du blaues, geliebtes Auge!“

„Ich darf nur Deine lichten Augenblicke theilen; doch ſpäterhin— wie wird es dann?“ Es lag eine unbeſchreib⸗ lich naive und unſchuldsvolle Kindlichkeit in dieſer Frage.

„Wie jetzt— es kann nie anders werden! Ver⸗ ſprachſt Du nicht, als Du dem unglücklichen Flüchtlinge Deine Treue und Deine Liebe ſchenkteſt, daß Du ihn nie fragen, nie bitten oder zu überreden ſuchen wollteſt, Dir ein Vertrauen zu ſchenken, das ihm zu geben unmöglich war? Dir war es ja hinreichend, daß er geächtet war, daß er in der Welt allein ſtand.“

„Ach, ſo iſt es noch jetzt!“ rief ſie aus.„Denke nicht mehr an meine Unvernunft— ich will Dich mit die ſem Gegenſtande weiter nicht mehr plagen.“

„Und auch nicht mehr mit dieſer kindiſchen Einbildung daß ich unſern Sohn nicht hinlänglich liebe? Glaube mien ich liebe ihn eben ſo herzlich wie Du, wenn auch auf aus⸗ dere Weiſe! Wem aber auf Erden nichts mehr übrig ge blieben iſt, als nur das Herz eines Weibes, der theilt daß

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