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darauf hin, daß er quer durch den Strom getrieben werde. Fortunatus hörte die beiden Ruderer nicht ein Wort ſprechen, aus den Stößen nahm er aber ab, daß ſie beide rüſtig ihr Ruder handhabten. Schon mäßigte ſich der ſtoßende Gang des Kahnes fühlbar, der Haupt⸗ ſtrom war alſo faſt gänzlich paſſirt und man lenkte in ruhigeres Waſſer ein— da empfand Fortunatus plötzlich einen harten Stoß.
Das Fahrzeug war an einen mächtigen, von der Oberfläche des Waſſers verdeckten Stein angeſtoßen. Der alte Schiffer fluchte mörderlich. Aber etwas Gutes führte der davongetragene Stoß doch herbei, denn dadurch riß der faſt durchſcheuerte Strick um die Hand⸗ gelenke des jungen Grafen, der auf ſo ſchnöde und jäm⸗ merliche Weiſe ſeinen Untergang finden ſollte, und dieſer hatte jetzt wenigſtens die Gewißheit, daß er für den Fall, daß man ihn an einer beliebigen Stelle in die Tiefe werfen werde, mittels des freien Gebrauchs ſeiner Arme ſich als anerkannt guter Schwimmer noch retten könne.
In Breslau, ſeiner Vaterſtadt, hatte er kühne Pro⸗ ben ſeiner Schwimmfertigkeit gegeben, warum ſollte er in der Donau weniger Muth und weniger Glück ha⸗ ben? Aber er calculirte ſehr richtig, daß der glück⸗ liche Umſtand hinſichtlich des zerriſſenen Strickes den


