25
ihn ſind, ich bin's lange noch nicht. Soll's ſchon noch erleben, was'n alter Drache kann.“
Nach der Entfernung der durchlauchtigen Frau hatte Anna den Stickrahmen beiſeite geſchoben und jetzt, wo Frau Binſe gehen wollte, ſprach ſie mit ſehr un⸗ ſicherer Stimme:„Bleibe Sie doch noch ein wenig.“
„Was iſt denn, mein liebes Fräulein? Ihr ſtehen ja helle Thränen in den Augen!“
„Das kommt vom angeſtrengten Sehen auf die Stickerei“, entſchuldigte Anna, mit dem Tuche ſich über die Augen fahrend.
„So?*
„Glaubt Sie denn wirklich— aber komme Sie doch näher, gute Frau Binſe, es braucht es ja Niemand zu hören, was wir mit einander ſprechen.“
„Das iſt richtig. Maulaffen ſind immer bei der Hand.“
„Glaubt Sie wirklich, daß der Doctor ein ſo gottloſer Menſch iſt, der— wie ſoll ich's nur ſagen?“
„Na, verſtehe ſchon, bin nicht auf den Kopf ge⸗ fallen. Ich kann's nicht gerade ſagen, daß er die Weibsleute verführen will, aber über den Weg traue ich ihm in der Art auch nicht. Was unſere Prinzeſ⸗ ſinnen anlangt, da denkt er jedenfalls nicht an der⸗ gleichen, da iſt er viel zu geſcheidt; aber die andern


