8 48
Kenntniß zu bringen, ſo fand die Erzählerin doch ſelbſt an ihr nicht ſelten eine willige Zuhörerin.
„Wie kommt denn das, Frau Binſe, daß Sie Ihren Kram verlaſſen hat? Es iſt bald Mittagszeit, wo ich doch glauben ſollte, dieſe Tageszeit ſei für Sie eine ganz beſonders günſtige zum Verkauf?“ fragte die Fürſtin.
„O allerfürtrefflichſte, gnädigſte Durchlaucht,'s Ge⸗ ſchäft und mein Goliath von Mann ſind Geſchwiſter⸗ kinder, ſie ſind beide lahm“, hob Frau Binſe an.„Es thäte noth, ich äße meine Pfefferkuchen ſelber und ver⸗ zehrte meine Kirſchen und Aepfel und Semmeln und Würſte hinterher. Vom Branntwein will ich gar nicht erſt reden. Seit Durchlaucht, unſer gnädigſter Herr, ſo viele Budiken und Wirthshäuſer hat entſtehen laſſen, ſind die Leute geſcheidt geworden und trinken den Schnaps nicht mehr auf der Gaſſe, wo's Jeder ſieht. Du gutes Herrgottchen, wenn die Schulrangen nicht noch wären, die hin und wieder ein Appetitchen auf Kirſchen oder ſo was Gutes haben, wüßte unſereins oft nicht, warum man daſitzt.'s iſt ja alles Hunger⸗ leidervolk hier. Die Soldaten haben nichts, die ſchä⸗ bigen Juden kaufen nichts, und viel andere Leute ſind eben nicht da, und die da ſind, wenden den Groſchen zehnmal um, ob nicht ein Thaler daraus wird.“


