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dem Deckmantel des luſtigen Rheinsberger Lebens war dieſer Geiſt gereift, hatte ſich dieſer Wille geſtählt— ein Wunder war geſchehen in wunderloſer Zeit.
Die Audienz war beendigt und der Deſſauer ſah ſich zum erſten Male in ſeinem Leben in der merkwür⸗ digen Lage, nicht recht zu wiſſen, welche Stellung er dieſem dictatoriſchen Könige gegenüber einnehmen werde. Der neue Monarch war nur von Wenigen genauer ge⸗ kannt, das Volk im Großen wußte nichts weiter von ihm, als daß er hart genug in ſeines allergnädigſten Vaters Zucht geſtanden, weil er ein rebelliſcher Sohn geweſen. Um ſo überraſchter war man daher, als die Zeitung vom ſechſten Juni die Kunde brachte, daß er den Staatsminiſtern, die ſich am zweiten Tag nach ſeines Vaters Tod zur Eidesleiſtung in Charlottenburg ein⸗ gefunden, rund heraus erklärt, daß das unter ſeinem höchſtſeligen Vater ſo übliche Plusmachen von nun nicht mehr ſtattfinden dürfe, und ihnen dabei geſagt habe:„Es iſt nicht Unſere Meinung, daß Ihr Uns ins⸗ künftige bereichern und Unſere armen Unterthanen be⸗ drücken ſollt; ſondern Ihr ſollt hingegen verbunden ſein, vermöge gegenwärtigen Befehls, mit eben ſo vieler Sorgfalt für das Beſte des Landes als für Unſer Beſtes zu wachen, um ſo viel mehr, da Wir keinen Unterſchied wiſſen wollen zwiſchen Unſerm eigenen und
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