170
er noch nichts im Leben gehört zu haben glaubte. „Ich thu' es, ſtraf mich Gott, ich thu' es!“ rief er entzückt, und den Arm wie eine Klammer um ſie ſchla⸗ gend, der ſie ſich nicht entwinden konnte, küßte er ſie mit ſo ſtürmiſcher Gewalt, daß ſie kaum mit Aufbie⸗ tung aller ihrer Kräfte ihn ein wenig von ſich ab⸗ wehren konnte. Der im Gange ſchlürfende Schritt der Magd wurde ihre Rettung.
„Er iſt ja ein leibhafter Simſon, Herr Bank. Sehe Er nur, wie Er meine Halskrauſe in Unordnung ge⸗ bracht hat!“
Simſon⸗Bank ſchnalzte im wohligen Nachgefühle des Küſſens mit der Zunge.„Ja, bei unſereinem heißt’s wie beim alten Deſſauer: Drauf und dran!“ jubelte er überglücklich.„Nun ſoll Sie's aber auch erfahren, was gegen Ihren Schwager, den Herrn Ad⸗ vocatus, angeſponnen iſt, morgen will's der Wilm zur Ausführung bringen.“
„Nun?“
„Er will meinem Kamerad eine, wie er ſagt, von ſeinem Herrn ſorgſam in einem Fache ſeines Schreib⸗ tiſches verſchloſſene Mappe, in der dieſer ſeine beſon⸗ dern Briefſchaften zu verwahren pflege, beim alten Spahn einhändigen. Da würde wohl manches geheime Briefchen darin ſtecken, aus dem ſich Vieles entnehmen
———


