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Um die zornige Aufregung der Bernburgerin, welche ſich in deren Antlitz verrieth, zu mildern, ſprach Frau Annelieſe, nachdem ſie ihrem Hoffräulein, Anna von Audritzky, welches bis jetzt abſeits im Rondel auf einer Bank geſeſſen, Erlaubniß gegeben, ſich ein wenig im Garten zu ergehen, freundlich zu der über die ihrem Kinde widerfahrende Profanation empörten Dame:
„Meine liebe Freundin, Sie müſſen mir ſchon zu gute halten, daß ich ſcheinbar Ihr Mutterrecht mir anmaße. Eine Frau wie ich, welche eine gewiſſe Pra⸗ ris in Kindererziehung erlangt hat, kann keinen ſehn⸗ lichern Wunſch haben, als daß die von ihr in dieſer ſo ſchwierigen und zugleich ſo viel bedeutenden und— laſſen Sie mich ſagen— von ſo äußerſt wichtigem Einfluſſe auf eine ganze Menſchenzukunft ſich äußernde Aufgabe, wie die Kindererziehung für Mütter iſt, be⸗ obachtete und durch den ſchönſten Erfolg bewährte Norm auch Andern Segen bringe. Leider iſt es öfters die Erziehung, welche eiſerne Schlagbäume vor die un⸗ verdorbenen kindlichen Herzen und Gemüther zieht und, ſtatt die noch in ihnen ſchlummernden guten Eigen⸗ ſchaften zu wecken, zur Reife auszubilden, dieſe erſtickt. Was einmal todt im Kindesherzen iſt, wird nicht mehr lebendig. Meine ſelige Mutter— Sie wiſſen, daß ſie eine Bürgerliche, die Frau eines Apothekers war—


