Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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wehrte, den Knaben zu ſchlagen, ich nicht im entfern⸗ teſten daran dachte, er ſei ein Judenkind. Bei mir übt es gar keinen Einfluß, Jemand höher oder ge⸗ ringer zu achten, weil er dem oder jenem Bekenntniß angehört; der brave Menſch iſt für mich allein das entſcheidende Moment, mag er Gott dienen, wie er will, darum kümmere ich mich nicht. Der Kleine be⸗ durfte meiner Hülfe, und das war beſtimmend für mich, zu thun, wie ich gethan.

Soll mich Gott leben laſſen! rief Reb Kaſcher. Solche Rede zu hören, iſt'ne Wohlthat für ſo hart ge⸗ drückte Leut' wie wir, die Kinder Israels, und ab⸗ ſonderlich in einem Ort wie Deſſau, wo die Durch⸗ laucht unſere Leut' für'ne Schafheerde anſieht, die nur dazu da iſt, daß ſie ihm gibt ihre Wolle.

Durch dieſe gegenſeitigen Aeußerungen bahnte ſich ein Geſpräch an, das die drei Männer ſo ſchnell mit einander vertraut machte, als hätten ſie ſich ſchon lange gekannt.

Reb Kaſcher, ein wohlhabender Seidenhändler aus Breslau, war ein Chachomim Israels, das heißt, ein Weiſer, ein Gelehrter ſeines Volkes, der nicht nur in ſeiner Kille(Gemeinde) in großem Anſehen ſtand, ſon⸗ dern auch auswärts in den Gemeinden, in die ſeine kaufmänniſchen Verbindungen ihn führten, die allge⸗ meinſte Achtung genoß.

Franz Carion, Ein deutſcher Fürſt. I. 11