Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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Anna und ich ein Herz und eine Seele waren, ihr Möglichſtes that, uns aus einander zu bringen. Wäh⸗ rend ich im benachbarten Schleſien mir einen Platz ſuchte, wo ich eine genügende und lohnende Praxis fände, ward Anna von ihrer Mutter nach Dresden zu einer ebenfalls böhmiſchen adligen Exulantenfamilie gebracht. Man glaubte uns nun gänzlich und für immer von einander geſchieden, denn ich war in Schle⸗ ſien feſt angeſtellt; aber das erwies ſich als eine Rech⸗ nung ohne Facit. Ich gab meine Stellung auf und kehrte unerwartet nach Zittau zurück. Ehrlich und offen hielt ich um Anna's Hand an und wurde zurückgewieſen, weil ich von bürgerlicher Abkunft ſei. Anna's Aufent⸗ halt blieb für mich Geheimniß, bis ich endlich durch Zufall erfuhr, ſie ſei in Dresden. Dort angekommen, ſchien es faſt, als ſollte ich ihre Spur für immer ver⸗ lieren. Trotz allen Forſchens war es mir nicht mög⸗ lich, nur die geringſte Auskunft zu erlangen. Als Famulus eines der königlichen Leibärzte wurde ich eines Tages in eine adlige Familie gerufen, und bei einem der ärztlichen Beſuche, die ich der kranken Dame des Hauſes machte, überraſchte es mich nicht wenig, als eine Freundin derſelben, während ich ein Recept nie⸗ derſchrieb, von Anna von Audritzky erzählte, die ſie auf der Durchreiſe in Deſſau, wo ſie ſich als Fräulein der