217
um die nöthige Ruhe für die hohe Kranke, ſie bedarf der Erholung.“
Die Hände über die Augen legend, verließ Herr Leupold das Zimmer, gefolgt von ſeinem Schwieger⸗ ſohne, dem bernburger Fürſten, ſeinen Söhnen und Hubert von Buſſy⸗Rabutin. Der Vaterſchmerz und die Ueberzeugung, ſein Kind an der Pforte des Gra⸗ bes zu wiſſen, hatten wieder ſo vollſtändig Beſitz von ihm genommen, daß er, allen mit der Hand zu⸗ winkend, ſich zu entfernen, in ein offen ſtehendes Ge⸗ mach eintrat und daſelbſt allein verblieb.
„Ich werde Sie zur Tafel rufen laſſen, Herr Graf“, ſagte der bernburger Fürſt zu Hubert.
Eine halbe Stunde ſpäter erſchienen Herr Leupold und ſein Schwiegerſohn, die Söhne des erſtern und Graf Hubert in einem kleinen Saale, wo die Offiziere des Regiments bereits ihrer harrten. Man ſetzte ſich zur Tafel, aber es blieb ſtill an derſelben, Niemand ſprach, höchſtens hörte man leiſes Flüſtern. Plötzlich
ſtand Herr Leupold auf und verließ die Verſammlung.
Die einzelnen Thränen, die über ſein dunkles Antlitz herabfielen, waren eine Erklärung, welche Jeder ver⸗ ſtand. Der Jammer hatte des Gewaltigen Herz ſo über⸗ mächtig erfaßt, daß von einer Herrſchaft über ſich ſelbſt bei ihm keine Rede mehr war. Niemand folgte ihm.


