geſetzen kein Recht zuſtehe, den Thronfolger auf Grund eines blos kriegsrechtlichen Erkenntniſſes am Leben zu ſtrafen.
Das frappirte den König und zwar um ſo mehr, als er wußte, daß zwiſchen dem Kronprinzen und dem deſſauer Fürſten keine Zuneigung bis jetzt geherrſcht, der erſtere im Gegentheil ſich oft ſpöttiſch über die ſoldatiſche Rohheit Herrn Leupold's geäußert hatte, dem er von väterlicher Seite mit einer unterwürfigen Ver⸗ ehrung zu begegnen gezwungen worden war. An Stelle dieſer gezwungenen Verehrung trat bei dem Kronprinzen nun eine ſichtbar ſich mehr annähernde Zuneigung für den durchlauchtigen Herrn von Deſſau hervor, der ſein Fürſprecher geweſen war, ohne die Abſicht oder Ausſicht zu haben, einen Vortheil da⸗ durch für ſich zu erringen.
Jaſt ſchien es, als ob das Glück, welches Herrn Leupold ſeit einiger Zeit den Rücken gekehrt hatte, ihn nicht ſobald wieder mit ſonnigen Antlitz anſchauen wolle, denn er erfuhr eine Demüthigung, die ihn in den Augen des Volkes zum Geſpötte machte. Sein Halleſches Regiment trug den vollkommenſten Typus ſeines eigenen Charakters, es war ein vielköpfiges Abbild aller Rohheiten und Gewaltthätigkeiten ſeines Führers, wild, trotzig, übermüthig und zu Teufeleien 12*


