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einen ziemlich hohen Heckenzaun von demſelben ge⸗ trennt. Mit eiſerner Willenskraft ſeinen Schmerz be⸗ zwingend, gelangte er über dieſen Zaun und eilte un⸗ ter den ihres Laubſchmucks beraubten Bäumen dahin. Deutlich drang in ſein Ohr das dumpfe Krachen der von den Grenadieren mit den Kolben ihrer Gewehre nach der Kammerthür geführten Stöße und beflügelte ſeine Eile. Mit Aufbietung aller Kraft überkletterte er die den Garten von dem angrenzenden Felde ſchei⸗ dende Mauer und befand ſich nun im Freien.
Der rauhe ſtürmiſche Abend mit tiefſchwarzem Himmel war ihm inſoweit günſtig, als ihm auch nicht eine Menſchenſeele begegnete. So ward ſeine Flucht gedeckt. Welche Straße er einſchlug, blieb in ſeiner Lage gleich; am Morgen, nachdem er die ganze Nacht hindurch marſchirt, erfuhr er von Landleuten, er befinde ſich auf dem Wege nach Leipzig. Schon glaubte er ſich geborgen, als er am dritten Tage die berühmte Meßſtadt erreichte, doch man war auf ſeiner Spur und ein förmliches Treiben von Dorf zu Dorf erfolgte. Mit einem Bauer, der an ihm den Fang⸗ lohn verdienen zu können glaubte, mußte er ſchwer ringen, ſeine Gewandtheit half ihm indeß auch hier gegen die rohe Kraft, und endlich gelangte er todmüde nach Halle.


